„Irgendwann schlägt das Geschäft zu“: St. Pauli-Trainer Blessin vor brutaler Woche

Die Rückendeckung ist maximal, und sie ist vor allem nicht einfach so dahergesagt. Wenn die Verantwortlichen des FC St. Pauli auch nach acht Punktspiel-Pleiten in Serie Trainer Alexander Blessin das Vertrauen aussprechen, dann geht das über die branchenüblichen Floskeln hinaus und ist wahrheitsbasierend.
Der Coach hat dies dankend zur Kenntnis genommen, aber auch darauf hingewiesen, dass alles endlich ist. „Letzten Endes weiß ich, dass das Geschäft hart ist und irgendwann dann mal zuschlägt“, hatte der 52-Jährige gesagt. Und die Ereignisse der kommenden Woche werden gewiss Einfluss nehmen auf das Denken und Handeln von Präsident Oke Göttlich, Sportchef Andreas Bornemann und Co.
Er war gefühlt noch eine Spur lauter als sowieso. Bei der Trainingseinheit am Mittwoch stand unter anderem eine intensive Spielform auf dem Programm, und Blessin brüllte sich die Kehle wund, gab Anweisungen, holte seine Schützlinge zusammen, schob auf der Taktiktafel die Magneten hin und her und sparte nicht mit klaren Ansagen. Das böse englische F-Wort war auch für die Kiebitze mehrfach deutlich vernehmbar. Der Ton scheint also rauer zu werden. Oder doch nicht?
Vasilj sagt, es gebe keinerlei Probleme mit Blessin
„Ich glaube nicht, dass er viel geändert hat. Er ist derselbe wie immer“, betonte Nikola Vasilj. „Er ist weiterhin positiv, versucht, uns zu pushen, uns Selbstvertrauen zu geben.“ Und das, so mutmaßt der Keeper, basiere auf den Erfahrungen der vergangenen Saison. „Auch da haben wir schwierige Phasen überstanden. Klar, das jetzt ist noch mal was anderes, aber das ist halt so.“ Mit Blessin gebe es keinerlei Probleme, im Gegenteil. „Er versucht, alle wieder in die Spur zu bekommen. Und ich glaube, wir haben alles, was wir brauchen. Jetzt liegt es an uns, noch ein bisschen besser zu werden, und ich bin mir sicher, dass uns schon ein gutes Ergebnis das Selbstvertrauen geben wird, wieder herauszukommen.“
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Auch dem Schlussmann dürfte allerdings bewusst sein, dass die Zeit gerade nicht der Freund des Kiezklubs ist. Das von Vasilj genannte „gute Ergebnis“ sollte besser gestern als heute erzielt werden, und in den nächsten zehn Tagen hat der FC St. Pauli gleich drei Gelegenheiten dazu. Jedenfalls in der Theorie.
In der Praxis geht allerdings niemand davon aus, dass die Hamburger am Samstag in der Münchner Allianz Arena dem FC Bayern dergestalt Paroli werden bieten können, dass unterm Strich womöglich gar etwas Zählbares dabei herumkommt. „Niemand rechnet mit uns, also haben wir auch nichts zu verlieren“, schlussfolgert Vasilj. Das ist wohl grundsätzlich richtig – und trotzdem mit einem „Aber“ zu versehen: Eine überschaubar hohe Niederlage beim Rekordmeister wäre gewiss akzeptabel, ein Desaster in Form einer krassen Klatsche aber sollte tunlichst vermieden werden.
Gegen Mönchengladbach und Köln wird es St. Pauli auch nicht leicht haben
Denn auch das ungleiche Duell an der Isar wird Einfluss nehmen auf das, was in den folgenden Tagen am Rhein an Aufgaben wartet. Ein Pokal-Aus am Dienstagabend beim wiedererstarkten Mönchengladbach wäre angesichts der Formkurven beider Mannschaften keine Überraschung, auch beim starken Aufsteiger 1. FC Köln kann man grundsätzlich verlieren. Aber irgendwann muss die braun-weiße Talfahrt halt gestoppt werden, und dafür müssen die Kiezkicker in den kommenden Tagen mal für ein Ausrufezeichen positiver Natur sorgen.
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Dass das nicht einfach wird, ist klar. Vielleicht ist es für Alexander Blessin sogar die brutalste Woche seiner bisherigen Trainer-Laufbahn. Aber auch angesichts der Tatsache, dass zum Jahresabschluss existenziell wichtige Spiele gegen Heidenheim und in Mainz warten, ist eine Trendwende zwingend notwendig. Auch um zu verhindern, dass des Trainers These mit dem harten Geschäft, das irgendwann zuschlägt, zur Realität wird.




